Protektive Bakterien

Mikrobiom im Darm: Welche Rolle spielt es für die Gesundheit?

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Eine Vielzahl an Mikroorganismen leben auf und im menschlichen Körper, überwiegend im Darm. Sie werden auch als Mikrobiom bezeichnet. Dieses hat Auswirkungen auf die Gesundheit. Welche Krankheiten mit dem Mikrobiom in Verbindung stehen, ob sich ein gesundes Mikrobiom aufbauen lässt und wann ein Mikrobiom-Test sinnvoll ist, erfahren Sie hier.

Mikrobiom: Gesunder Darm
© Getty Images/Anastasiia Yanishevska

Kurzübersicht: Häufige Fragen und Antworten zum Mikrobiom

Was ist das Mikrobiom und welche Funktionen hat es im Körper? Ein Mikrobiom bezeichnet die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die auf und in einem Körper leben. Darunter fallen beispielsweise Bakterien, Viren oder Pilze. Sie beeinflussen die Immunabwehr, die Verdauung und den Stoffwechsel.

Wie bekommt man ein gesundes Mikrobiom im Darm? Ein gesundes Darmmikrobiom kann durch eine ausgewogene Ernährung und Bewegung gefördert werden. Geeignete Lebensmittel sind unter anderem Vollkornprodukte, Sauerkraut, Joghurt, Spargel, Schwarzwurzeln und Zwiebeln.

Was macht das Mikrobiom kaputt? Eine fett- und zuckerreiche sowie ballaststoffarme Ernährung kann sich negativ auf das Mikrobiom auswirken. Auch die Einnahme von Antibiotika kann zu einer gestörten Darmflora führen.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Mikrobiom und Psyche? Ja, die Darm-Hirn-Achse beschreibt die Verbindung zwischen Gehirn und Darm. Die beiden Organe stehen in ständiger Kommunikation. So kann beispielsweise ein gesunder Darm Stresshormone positiv regulieren.

Kann ein gestörtes Mikrobiom Krankheiten auslösen? Krankheiten wie Diabetes, Depression, Adipositas oder Demenz werden mit einem gestörten Mikrobiom in Verbindung gebracht. Ob das Mikrobiom ein Auslöser ist oder als Folge der Erkrankung Veränderung zeigt, ist noch nicht abschließend geklärt.

Artikelinhalte im Überblick:

Präbiotika: Präbiotische Lebensmittel mit Inulin

Was ist das Mikrobiom?

Für das Auge unsichtbar, aber dennoch seit der Geburt ein Teil des Menschen, sind eine Vielzahl an Mikroorganismen, die unter anderem die Haut sowie den Magen-Darm-Trakt besiedeln. Die Gesamtheit dieser Bakterien, Viren und Pilze wird als Mikrobiom bezeichnet. Dieses unterstützt den Körper bei der Verdauung und schützt vor Krankheitserregern.

Aus welchen Mikroben es sich zusammensetzt, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Einfluss darauf haben unter anderem

  • Ernährung,
  • Art der Geburt (vaginal oder Kaiserschnitt),
  • Medikamenteneinnahme und
  • die Immunkompetenz.

Letztere gibt Aussage über ein intaktes Immunsystem, das schädliche Mikroorganismen bekämpft und gesunde nicht angreift.

Ist das Mikrobiom nicht mehr im Gleichgewicht, können sich krankheitserregende Mikroorganismen festsetzen, vermehren und Krankheiten auslösen.

Faktoren, die das Mikrobiom durcheinanderbringen können, sind unter anderem:

  • Einnahme von Antibiotika
  • Stress
  • Adipositas
  • Diabetes mellitus
  • verschiedene Darmerkrankungen
  • ungesunde Ernährung

Darmerkrankungen können Folge eines gestörten Mikrobioms, aber auch Auslöser davon sein.

Mikrobiom im Darm

Über die Zusammensetzung der Darmmikrobiota kann unter anderem festgestellt werden, ob Krankheiten wie Diabetes mellitus oder Morbus Crohn vorliegen oder warum der Mensch schlank oder übergewichtig ist.

In einer gesunden Darmflora befinden sich viele verschiedene schützende Bakterien. Die Ansiedlung beginnt schon kurz nach der Geburt. Gestillte Babys weisen eine Vielzahl an Milchsäure-produzierenden Bakterien im Darm auf. Diese können verhindern, dass sich krankheitserregende Keime ansiedeln.

Zu den Aufgaben des Mikrobioms im Darm zählen:

  • Verdauung: Ohne ein intaktes Mikrobiom ist Verdauung so gut wie nicht möglich. Es regt die Darmtätigkeit und die Aufnahme von Nährstoffen an, hemmt und aktiviert verschiedene Stoffwechselwege und hat eine Barrierefunktion. Die Bakterien im Darm benötigen unter anderem Ballaststoffe, um die Darmzellen mit Energie zu versorgen.

  • Immunabwehr: Das Mikrobiom verhindert das Eindringen schädlicher Erreger und deren Wachstum im Darm.

  • Entzündungen eindämmen: Toxine und Stoffwechselprodukte schädlicher Bakterien können Entzündungen auslösen, nicht zuletzt sogar chronische Entzündungen. Diese können Erkrankungen des Darms fördern. Die „guten“ Bakterien wirken dem entgegen, indem sie die schädlichen Erreger verdrängen.

Elf faszinierende Fakten über den Darm

Mikrobiom der Lunge und der Haut

Auch die Lunge und die Haut sind mit Mikroorganismen besetzt. Die Artenvielfalt ist nicht ganz so groß wie im Darm. Es zeigt sich allerdings ein Zusammenhang mit Infekten, Hauterkrankungen und Atemwegserkrankungen. So ist das Mikrobiom der Lunge im Falle einer Erkrankung, wie Asthma oder einer Lungenentzündung verändert.

Was ist die Darm-Hirn-Achse?

Die Darm-Hirn-Achse verbindet Gehirn und Darm. Die beiden Organe stehen über den Vagusnerv (Nervus vagus) in ständiger Verbindung. Dieser reicht vom Bauchraum bis zum Hirnstamm. Vor allem der Darm sendet häufig Signale Richtung Gehirn. Zur Verständigung dienen unter anderem Neurotransmitter wie Serotonin. Es

  • ist im Gehirn zuständig für das Wohlbefinden und
  • reguliert im Verdauungstrakt unter anderem die Darmtätigkeit.

Serotonin wird im Magen-Darm-Trakt produziert, gelangt ins Gehirn und löst dann ein Glücksgefühl aus. Ist das Mikrobiom gestört, wirkt sich dies auch auf die Serotoninproduktion und folglich auf das Wohlbefinden aus. Eine gesunde Darmflora ist demnach nicht nur für die Darmgesundheit, sondern auch für das seelische Befinden von Bedeutung.

Dass sich auch andersherum Gefühle auf den Bauch auswirken können, ist bekannt. Nervosität oder Liebeskummer haben oft Auswirkungen auf den Magen-Darm-Trakt.

Mikrobiom und Ernährung

Die Ernährungsweise ist anhand der Darmmikrobiota des Menschen erkennbar. Veganer*innen und Vegetarier*innen haben eine andere Zusammensetzung der Darmbakterien als Menschen, die Fleisch essen.

Die Nahrung ist wahrscheinlich ein noch entscheidenderer Faktor als die Genetik. Eine überwiegend pflanzliche Ernährung mit unverarbeiteter Kost zeigt ein anderes Mikrobiom als bei Menschen, deren Ernährung reich an Zucker, Weißmehl und Fleisch ist. Letztere Ernährungsweise kann die Darmbarriere und die Mikrobiota schädigen. Auch Auswirkungen auf Laborwerte wie Entzündungsmarker, Fett- und Zuckerstoffwechsel-Werte konnten als Folge nachgewiesen werden.

Daneben spielen weitere Faktoren eine Rolle bei der Zusammensetzung des erwachsenen Mikrobioms, beispielsweise:

  • Lebensstil (Alkohol- oder Tabakkonsum)
  • Medikamente
  • Stress
  • Erkrankungen

Probiotische Lebensmittel: Natürliche Probiotika-Quellen

Gesunde Lebensmittel für das Mikrobiom

Die Funktion des Mikrobioms wird wesentlich von der Ernährung und dem Lebensstil beeinflusst. Eine Umstellung der Essgewohnheiten kann schon kurzzeitig Veränderungen anzeigen.

  • Fermentierte Lebensmittel: Joghurt, Buttermilch, Kefir oder Sauerkraut können ein gesundheitsförderndes Darmmikrobiom unterstützen.

  • Ballaststoffe: Ballaststoffe sind unter anderem in Gemüse, Obst und Vollkornprodukten enthalten. Sie fördern das Wachstum schützender Bakterien im Darm.

  • Präbiotika: Inulin und Oligofruktose dienen als Futter für die gesunden Bakterien. Sie sind zum Beispiel in Gemüse wie Schwarzwurzel, Spargel, Lauch, Zwiebeln und Chicorée enthalten.

  • Sekundäre Pflanzenstoffe: Polyphenole unterstützen die gesunden Darmbakterien. Dazu gehören zum Beispiel Anthocyane in Beeren oder Flavonoide in Äpfeln.

  • Omega-3-Fettsäuren: Sie wirken entzündungshemmend und fördern das Wachstum verschiedener Bakterienarten. Sie finden sich in Nüssen, Ölsaaten (wie Leinsamen) und in fettreichem Fisch wie Lachs, Hering und Makrele. Als pflanzliche Alternativen können hier Algen, Kohlgemüse oder Hülsenfrüchte verwendet werden.

Im Allgemeinen bringt die Mittelmeerküche positive Effekte auf den Darm mit sich. Das Kochen mit frischen Zutaten, Olivenöl, Gemüse, Fisch, Meeresfrüchten und Kräutern hat sich als gesund erwiesen.

Zudem kann eine rein pflanzliche Ernährung beispielsweise dazu beitragen, dass die Darmbakterien weniger Substanzen bilden, die mit Arteriosklerose in Verbindung gebracht werden.

Ballaststoffreiche Lebensmittel: Die besten Lieferanten

Mikrobiom im Darm mit Nahrungsergänzungsmitteln aufbauen

Insbesondere für die Immunabwehr kommt es auf die passenden Bakterienstämme im Darm an. Denn die Funktionen, die Darmbakterien übernehmen sind sehr spezifisch: Nicht jede Bakterienart hat die gleichen Aufgaben. Auch das Zusammenspiel der Stämme untereinander ist von großer Bedeutung.

Hier können Nahrungsergänzungsmittel mit Probiotika helfen. Dabei handelt es sich um erwünschte Bakterien oder zum Teil auch Hefepilze. Sie unterstützen die Barrierefunktion des Darms und das Immunsystem. Zudem stellen sie Stoffe her, die unter anderem die Gesundheit von Nervenzellen unterstützen. Nahrungsergänzungsmittel mit probiotischen Bakterien gibt es als Kapsel- oder Tropfenform.

Um den Darm aufzubauen, müssen Probiotika über einen längeren Zeitraum täglich eingenommen werden.

Einfluss von Antibiotika auf das Mikrobiom

Die Gabe von Probiotika während oder nach einer Antibiotika-Behandlung zur Sanierung des Darms ist wissenschaftlich umstritten.

Der Grund einer Antibiotika-Einnahme besteht darin, krankmachende Bakterien abzutöten. Teilweise richten sich die Medikamente aber auch gegen die "guten", schützenden Bakterien. So eine Veränderung des Bakterienhaushalts wird als Dysbiose bezeichnet. Sie ist gekennzeichnet durch eine verminderte Vielfalt und eine Verringerung der Anzahl der Bakterien im Darm.

Eine Studie konnte beispielsweise zeigen, dass sich die Gabe von Probiotika zusammen mit Antibiotika zur Vermeidung von Antibiotika-assoziierter Diarrhö (AAD) als wirksam erweist.

Eine Vielzahl anderer Fachleute ist jedoch der Meinung, dass die genaue Wirkung von Probiotika bei unterschiedlichen Patient*innen nicht belegt ist. Beispielsweise sollen Betroffene einer Pankreatitis keine Probiotika einnehmen, da diese negative Effekte mit sich bringen können.

Auch in der S2k-Leitlinie zu akuter infektiöser Gastroenteritis im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter wird keine Empfehlung zur Gabe von Probiotika zusätzlich zur Antibiotikaeinnahme gegeben. Die unzureichende Datenlage sei hierfür der ausschlaggebende Grund.

Auch in der Leitlinie "Gastrointestinale Infektionen" wurde eine negative Empfehlung zur Einnahme von Probiotika bei einer akuten Gastroenteritis gegeben.

Mikrobiom: Test auf Bakterienarten

Es gibt verschiedene Anbieter, die den Stuhl auf die Zusammensetzung der Mikroorganismen untersuchen. Diese Tests können zwar Aussagen über die verschiedenen Bakterienarten liefern, jedoch weniger über das Zusammenspiel und die speziellen Aufgaben der Mikroben.

Ernährungsempfehlungen aufgrund des Testergebnisses sind daher mit Vorsicht zu betrachten. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten rät demnach von teuren Mikrobiom-Tests ab. In einigen Jahren können vermutlich mehr Informationen aus den Proben gezogen werden, dann könnten solche Tests sinnvoll sein.

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